Zeitmanagement

"ICH HATTE SCHON TOTAL DEN ÜBERBLICK VERLOREN. IM ZEITMANAGEMENT HABEN WIR GENAU GEPRÜFT, WO MEINE PRIORITÄTEN LIEGEN, WIE VIEL FREIE ZEIT ICH ÜBERHAUPT HABE UND WAS IN DIESER ZEIT REALISIERBAR IST" - Sirje M. (Teilzeit-Angestellte und Mutter von drei Kindern)

Kinder, eine Teilzeitstelle, Haus mit Garten, Sport, Beziehung. Ich bin schon oft gefragt worden, wie ich das alles unter einen Hut bringe und früher war es wirklich kein Problem. Ich war schon immer ein Kraftpaket, Ruhe ist etwas für Langweiler war bei uns zu Hause die Devise.

Seit ich 40 Jahre alt geworden bin und vor zwei Jahren noch unser drittes Kind auf die Welt gekommen ist, hat sich das geändert. Der Tag hätte 36 Stunden haben müssen, um alles auf die Reihe zu bringen und abends fühlte ich mich meistens total gerädert. Meine ganzen Aufgaben stressten mich mehr, als dass sie mir Freude bereiteten. "Mach doch nicht so viel" - aber was sollte ich von meiner Liste streichen? Ich hatte das Gefühl überall unersetzbar zu sein. Und alle Aufgaben erschienen mir gleich wichtig. Also machte ich weiter - und fühlte mich immer kraftloser und unlustiger. Um aus dem Dilemma herauszukommen habe ich mir Hilfe geholt.

Zuerst dachte ich, dass es beim Zei­tmanagement darum geht, wie man in der selben Zeit noch effektiver arbeiten und noch mehr schaffen kann. Aber als wir einen Stundenplan mit all meinen Tätigkeiten entworfen haben war schnell sichtbar, dass dabei überhaupt keine Zeit für mich übrig blieb. Ich war offensichtlich nur zu bereit, mich für andere aufzuopfern und hatte dabei ganz verlernt auch an mich zu denken. Es war mir wichtiger, einen Kuchen für ein Fußballturnier zu backen, als Mittagsschlaf zu halten.

Also haben wir angefangen, meine Wochen gemeinsam zu planen. Tag für Tag. Immer unter den Fragen: wie viel Zeit hast du, was ist dir wichtig und wo können wir "Eigenzeit" eintragen. In der Folge habe ich einige meiner Aktivitäten aufgeben und seitdem mehr Zeit für die Sachen, die mir wirklich wichtig sind. Und an denen ich Spaß habe. Seitdem bin ich wieder viel entspannter.

Potential­entwicklung

"ICH SUCHE DAS PARADIES JETZT NICHT MEHR IN DER ZUKUNFT AN EINEM FERNEN ORT, SONDERN IN MEINEM ALLTAG. HIER UND JETZT"
Bernd H. (Lehrer)

Von außen betrachtet hatte ich ein schönes Leben. Meine Arbeit machte mir Spaß und brachte genug Geld, ich hatte eine nette Freundin und in Regensburg fühlte ich mich auch wohl. Ich war auch nicht unglücklich, aber so richtig glücklich eben auch nicht.

Und ich hatte immer das Gefühl, dass in meinem Leben etwas fehlt. Voll Leidenschaft hatte ich mich das letzte Mal nach dem Abitur gefühlt, als ich für ein Jahr in einem indischen Waisenhaus gearbeitet hatte. Und so hing ich immer mehr dem Traum nach einer Auszeit nach, in der ich wieder nach Indien gehen wollte. Irgendwo muss das Paradies doch sein, wo man gebraucht wird und sich am richtigen Platz fühlt. Nur eben nicht hier. Schön langsam fing ich an, meinen Alltag als etwas zu betrachten, wo ich jetzt durchmusste um dann irgendwann....

Bis ich an den Punkt kam, an dem ich nur noch jammerte. Die vielen Korrekturen als Lehrer, die Alltagsreibereien mit meiner Freundin und Regensburg kam mir so provinziell vor. Im Nachhinein kann ich gut verstehen, dass meine Freundin das nicht mehr mitmachen wollte und gegangen ist.

Das war ein Schock, der mich aufgeweckt hat. Damit mir das gleiche nicht noch mal passiert, bin ich zum Psychotherapeutischen Coaching gegangen. Schön langsam habe ich verstanden, dass ich mit meinem ewig unerfüllten "Traum vom Paradies" eigentlich verhindere, in dieser Welt glücklich zu werden. Und dass es im Leben eben nicht darum geht, den Lottogewinn herbeizusehnen, sondern eher um die Frage, wie man sich ein Stück vom Paradies in sein Leben holen kann. Jeden Tag und immer wieder. Mit der Zeit habe ich meine Lebensgewohnheiten umgestellt. Jetzt arbeite ich ehrenamtlich bei einer Familienhilfe und bin davon begeistert. Ich muss nicht mehr nach Indien, um das Gefühl zu haben, genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Vergangenheits­bewältigung

"LIEBE GEGEN LEISTUNG. IN DER PSYCHOTHERAPIE WURDE MIR KLAR, WIE KRITIKLOS ICH DIESEN GLAUBENSSATZ MEINER ELTERN ÜBERNOMMEN HATTE. JETZT FANGE ICH AN, DARAN ETWAS ZU ÄNDERN. SCHRITT FÜR SCHRITT" - Stephanie A. (Erzieherin)

Eigentlich hatte ich schon lange gespürt, dass ich mir zu viel zumute. In allem wollte ich perfekt sein. Im Job, in der Beziehung, bei den Freunden, im Haushalt. Mein Körper fing schon an, nicht mehr mitzuspielen. Mal hatte ich Migräne, dann Rückenschmerzen und schlafen konnte ich auch nicht mehr gut. Aber irgendwie ging es immer und  ich wollte auch nicht auf diese Signale hören.

Doch das Gefühl "einfach nicht mehr zu können" wurde immer stärker. Als mich eine gute Freundin fragte, warum ich denn gar nicht mehr lache, brach ich zusammen und konnte gar nicht mehr aufhören zu weinen. Auf ihre Empfehlung habe ich mich daraufhin auf eine psychotherapeutische Behandlung eingelassen.

Manchmal habe ich mich dafür verflucht, denn was in der Therapie so alles hoch kam, war vorher nicht ohne Grund Jahrelang unter einem dicken Panzer vergraben gewesen. Mir wurde klar, unter welchem Leistungsdruck ich schon als Kind gestanden hatte und wie schlimm es für mich und meine Geschwister gewesen sein musste, dass wir von unseren Eltern nur für "herausragende Leistungen" Anerkennung bekommen haben.

Bis heute kann ich mir nur schwer vorstellen, dass man auch so geliebt werden kann - nur weil es einen gibt und ohne dafür etwas spezielles gemacht zu haben. Und deshalb möchte ich bewusst und unbewusst alles perfekt machen. Unglücklichweise stelle ich diesen Anspruch aber nicht nur an mich, sondern auch an mein gesamtes Umfeld. Und verhindere damit, dass mir jemand zu Nahe kommt.

Denn wer kann schon immer perfekt sein? Während der Therapie habe ich erst einmal begonnen, diese Grundeinstellung zu beobachten. In welchen Situationen zeigt sie sich und was mache ich dann? Und wie fühle ich mich dabei? Das allein hat schon viel bewirkt. So langsam habe ich auch das Gefühl daran etwas ändern zu können. Entspannter zu werden und selbstverständlicher. Ich denke, dass ich auf einem guten Weg bin, mit Leistungsdruck und Stress so umgehen zu können, dass ich mich selber dabei nicht aus den Augen verliere. Und die anderen auch nicht.